Der Schwarzwald-Doublenighter

Manchem Wahnsinn begegnet man am besten mit etwas unverfrorenen Dosis Anpassungsfähigkeit und lenkt die Energie um. Bestenfalls geradewegs Richtung Vergnügen. So ergaben sich am vergangenen Freitag recht spontan dienstliche Termine am Bodensee. Üblicherweise bedeutet dies: 5:55er ICE gen Süden und abends gen 17:00 wieder 5,5 Stunden heimwärts zugen. Am Samstag wiederum war ich um 12:00 Uhr mit Recep in Freiburg verabredet. Das ist doch Wahnsinn, abends 5,5 Stunden gen Norden fahren und am anderen morgen 4,5 Stunden wieder in den Süden runter. …. Ihr ahnt es: Ich habe einfach mein Breitreifenrennrad mit der entsprechenden Ausrüstung beladen, die ich ohnehin für den Overnighter im Schwarzwald dabei gehabt hätte und habe dann das Rad mit zum Geschäftstermin genommen!

Die Wettervorhersage ließ nichts Gutes erwarten, so habe ich auch recht viel Regenzeug dabei gehabt. Sicher ist sicher! Den Papierkram der Meetings steckte ich einfach in einen wattierten Umschlag und schickte ihn direkt heimwärts. Und dann ging es um 17:45 Uhr los. Von Friedrichshafen einmal gerade westwärts über Ludwigshafen, Engen, Donaueschingen und Kirchzarten nach Freiburg.

Nach einigen handverlesenen Regentropfen bei Überlingen blieb es für den Rest des Wochenendes trocken und einzige die recht steife Brise aus Westen kommend stellte sich dem zügigen Vorwärtskommen etwas in den Weg. Beharrlich machte ich meinen Weg und tankte in Ludwigshafen an einem kleinen Kebabhaus eine schnelle und gleichsam köstliche Dinner-Pause. Dann wurde das Gelände zusehends hügeliger. Die Obstplantagen wichen Herrenhäusern, Golfplätzen und geschotterten Parkplätzen mit ihren Oberklasse-AMG-Bewohnern.

Interessanterweise fanden sich an der Dämmerung nur noch wenige schöne Biwakspots. Wegen der unsicheren Wetterlage wollte ich unwettersicher liegen. So wurden aus den anvisierten 80 bis 90 Kilometer am Abend doch 110. Die Belohnung war zum einen eine sehr behagliche Hütte und zum anderen wunderschöne morgendliche Meter in kontemplativer Einsamkeit/Stille entlang des Kirnbergsees und einer schier endlosen Geraden durch einen Wald, die bezeichnenderweise „Lange Allee“ hieß. Schnell war der Platzberg und Hohlengraben passiert und schon ging es in einer Sause entlang des Wagensteigbaches und des Spirzenbaches nach Freiburg.

Ich hatte nun zwei Stunden, um mich zu verproviantieren und zu sortieren, bevor ich mit Recep geradewegs wieder Richtung Kirchzarten aus der Stadt rausradelten. Bei Bella und Dirk gab es noch reichlich Kaffee und Blödsinn und schon hatte uns die Natur hinter Oberried aufgesaugt und wir kämpften uns entlang das Zastlerbachs wieder auf 1.200 Meter hoch in den Schwarzwald. Wir schlugen noch einige Haken und überquerten Hügel, um schließlich eine sehr ruhige und wunderschöne Ecke fürs Lagerfeuer und die Nacht zu finden.

Das Feine am Mai ist, dass die Tage bereits recht lang sind, die Gewässer aber noch kühl. So konnte wir das Bier wieder auf Trinktemperatur absenken. Bei der Gelegenheit: Warum gibt es eigentlich kein leckeres Craftbier in Dosen? Wer da was weiß, der melde sich bitte bei mir!

Das Lamm am Lagerfeuer war vorzüglich. Der Abend lang und intensive redselig. Allen Stress der Woche hatten wir schon am ersten Anstieg abgestrampelt, so dass schnell substanzielle Gesprächsthemen dominierten. Ebenso wie am Himmel die Sterne die Oberhand gewannen: Ein sternenklarer Himmel ohne eine Wolke boten zusammen mit dem Feuer ein fast schon kitschiges Ambiente, um einzuschlafen… Am Morgen hatte Recep den ungefähr besten Kaffee der Weld kredenzt und für hüpften über zwei stattliche Hügel bevor es über eine superbe Naturpiste Richtung Höllental herunter ging.

24 Stunden nach dem Start saß ich wieder im ICE gen Göttingen, den Kopf einmal richtig entlüftet und die Beine ausgezehrt von den Anstiegen im Schwarzwald!

Danke Recep, eine Hammerroute und ein Traumspot (nicht fragen, wird nicht verraten und wer ihn erkannt hat, behält es für sich!)

3 Kommentare

  1. Tim Mittwoch, der 24. Mai 2017 at 10:27

    Dosen sind in Deutschland ja nicht gerade die beliebteste Verpackung für Getränke und besonders für Bier. Daher findet man deutsches Craft Beer wohl eher selten in Dosen. Ale Mania aus Bonn hatte da mal was in Dosen abgefüllt, keine Ahnung, ob es das noch so gibt. Im Craft Beer Laden (gibt’s in Köln aber auch nicht viele) habe ich bisher noch keine Dosen gesehen. In Online Shops findet man das aber sehr wohl.
    Ist natürlich nichts für den spontanen Overnighter, aber es schadet ja nicht, generell einen kleinen Vorrat Craft Beer im Kühlschrank zu haben, da kann man sich dann auch mal ein paar Dosen bestellen. Ob es lecker ist, ist natürlich wieder eine ganz andere Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss. Geschmack usw…

    Grundsätzlich finde ich es auch immer wieder schade, wenn ich mich abends nach der Tour mit einem 0815-Bier begnügen muss. Erst recht, wenn es sowas wie Krombacher, Becks, Wartsteiner, … ist.

    Da es zumindest vom Namen ein bisschen hier her passt, ich warte im Moment u.a. auf die Lieferung hiervon: http://biershop.bierpost.com/de/great-divide-brewing-3er-craftbeerset-usa-je-0355l-dose#.WSVAItykK9I

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  2. hartmut Donnerstag, der 25. Mai 2017 at 13:04

    Hallo Gunnar,
    bringen die im SPIEGEL kürzlich hochgelobten Reifen von COMPASS tatsächlich den fühlbaren Komfortgewinn oder wie waren deine Erfahrungen im Schwarzwald (oder auch anderswo) ?
    Danke
    Hartmut

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